Tagsr: , |Autor: |Veröffentlicht: 15. Aug 2021|0 Kommentare|7.7 Min. Lesedauer|

Die richtige Ansprache wählen

Die falsche Ansprache kann dazu führen, dass wir unser Publikum verlieren. Wie wir unsere Zielgruppen ansprechen sollten, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Ratschläge gibt es dazu viele. Gute leider nur wenige. In diesem Beitrag räume ich mit falschen Mythen auf und gebe einen praktischen Leitfaden für die Wahl der richtigen Ansprache an die Hand.

Für die Eiligen …

…das Wichtigste zusammengefasst:

  • Warum wir nicht alle gleich ansprechen
  • Der eigenen Erfahrung und Intuition vertrauen
  • Die Erwartungen und Vorlieben der Zielgruppe sind ausschlaggebend
  • Der falsche Mythos von den eigenen Regeln der Plattformen
  • Der Mythos vom Fehler der neutralen Ansprache
  • Die einzige goldene Regel: Der Plural ist tabu!
  • Konsequent inkonsequent bleiben
  • Höfliche Distanz oder vertraute Nähe
  • Fragen beantworte ich gerne

Warum wir nicht alle gleich ansprechen

Schauen wir uns einmal unseren Alltag an: Wir duzen Freunde und die meisten Bekannten. Im Beruf sind wir mit manchen per du und mit manchen per sie. In gewissen Situationen siezen wir Personen, die wir in anderen Situationen duzen. Das kommt in der Regel aber nur in einem professionellen Umfeld und soll genau das ausdrücken: Professionalität. Mit unserer Ansprache stellen wir eine höfliche Distanz oder eine vertraute und ungezwungene Nähe her.

Der eigenen Erfahrung und Intuition vertrauen

Wen wir wie ansprechen, entscheiden wir meist intuitiv. In aller Regel liegen wir damit richtig. Da haben wir dem komplexesten unserer Organe zu verdanken, unserem Gehirn. Ich werde jetzt nicht in die Tiefen der neurologischen Mechanismen einsteigen. So viel aber: Spontane Entscheidungen trifft unser Gehirn, bevor wir uns bewusst Gedanken gemacht haben.

Anhand eigener Programmierungen, die auf unzähligen Erfahrungswerten basieren, wird ein Impuls ausgelöst, wie wir in welchen Situationen agieren und reagieren. Wenn wir nicht gerade in einem hormonellen Wirbelsturm stecken, ist die Grundlage jeder unbewussten Entscheidung immer die, Schaden von uns abzuwenden.

Wir können unseren Erfahrungen und unserer Intuition also vertrauen.

Die Erwartungen und Vorlieben der Zielgruppe sind ausschlaggebend

Unser Gehirn entbindet uns aber nicht davon, uns bewusst Gedanken zu machen. Bei der Wahl der Ansprache sollten diese sich darum drehen, was unsere Zielgruppe von uns erwartet und welche Atmosphäre wir erzeugen wollen und sollten.

Nicht jeder möchte geduzt werden. Das Siezen in der falschen Situation kann eine übermäßige Distanz erzeugen und abschrecken. Die Grundlage unserer Entscheidung bildet immer unsere Zielgruppe. Erfolgreiche Kommunikation basiert immer darauf, dass wir unsere Zielgruppe kennen und ihre Erwartungen erfüllen.

Das gilt auch bei der Wahl unserer Ansprache.

Der falsche Mythos von den eigenen Regeln der Plattformen

Wer kennt sie nicht, die Ratgeber, die uns glauben machen wollen, dass die Plattformen des Web 2.0 ihre eigenen Regeln haben. Sie suggerieren, dass die Wahl unserer Ansprache sich nach den Vorlieben der Mehrheit der Nutzer auf den jeweiligen Kanälen richten sollte. Gestützt wird das mit Statistiken, die uns sagen, wie viele auf welcher Plattform geduzt oder gesiezt werden wollen.

Der Fehler dieser Argumentation liegt schlicht darin, dass wir nicht zwangsläufig die Mehrzahl der Nutzer ansprechen wollen. Wir möchten unsere Zielgruppe ansprechen – und das so zielgerichtet wie möglich. Zählt diese nicht zur Mehrheit der User der jeweiligen Plattform, dann gilt für sie die „Regel“ nicht.

Die Wahl unserer Ansprache richtet sich IMMER nach unserer Zielgruppe.

Der Mythos vom Fehler der neutralen Ansprache

Ein weiterer, leider weitverbreiteter Mythos ist, dass niemals eine neutrale Ansprache wählen sollten. Was sollen wir dann aber tun, wenn unsere Zielgruppe nicht homogen genug ist, um uns klar für das Siezen oder Duzen entscheiden zu können?

Wählen wir anhand der Mehrheit unserer Zielgruppe aus? Wollen wir wirklich riskieren die Minderheit im schlimmsten Fall zu verschrecken? Hoffen wir einfach darauf, dass sie sich manche nur etwas unwohl mit der Ansprache fühlen?

Selbstverständlich sollten wir so viele wie möglich ansprechen und mitnehmen. Natürlich darf die Anrede dann auch neutral gehalten sein. Solange wir darauf achten, dass wir keine zu große Distanz aufbauen, ist die eine neutrale Ansprache immer besser als eine falsche direkte Ansprache.

Die einzige goldene Regel: Der Plural ist tabu!

Es gibt nur eine goldene Regel. Zumindest für Websites und soziale Netzwerke. Niemals eine unpersönliche Anrede wählen! Wir können davon ausgehen, dass diejenigen, die unsere Webtexte lesen, allein vor dem Bildschirm sitzen. Nichts ist unpersönlicher als eine einzelne Person mit „Ihr“ anzusprechen.

Selbst wenn wir davon ausgehen können, dass vielleicht zwei oder drei gemeinsam lesen, ist eine unpersönliche Sprache immer das: unpersönlich!

Wenn wir uns wirklich unsicher sind, ob wir das Du oder das Sie wählen sollen, bleibt uns immer noch die neutrale Ansprache als Alternative. So wie ich es in der Regel bei meinen Webtexten halte.

Konsequent inkonsequent bleiben

In der Regel heißt von der Regel abweichen und genau das sollten wir tun. Es gibt nicht die eine richtige Ansprache. Logischer weiße müssen wir also variieren und immer die jeweils geeignete wählen. Welche das ist, richtet sich immer nach drei Faktoren:

  1. Welche Zielgruppe wollen wir erreichen und welche Erwartungen hat sie?
  2. In welchem Umfeld bewegen wir uns und welche Anrede wird hier erwartet?
  3. Ist es für unsere Kommunikation wichtig, eine freundliche Nähe oder eine höfliche Distanz aufzubauen?

Je nachdem in welchem Umfeld ich mich bewege und welche Zielgruppe ich anspreche, kann es einmal das Du und ein anderes Mal das Sie sein. Auf meiner Website bzw. meinem Blog bleibe ich neutral, da ich hier die komplette Bandbreite meiner Zielgruppen anspreche (Unternehmen, Führungskräfte, Einsteiger,  Lernende …).

Bei meinen Beratertätigkeiten sieze ich in der Regel. Dort habe ich es meist mit Führungskräften zu tun. Diese wollen aus unterschiedlichsten Gründen eher gesiezt werden. Vor allem vor ihren Mitarbeitern. Das hat nichts mit Arroganz oder Überheblichkeit zu tun. In vielen Bereichen kann eine höfliche Distanz durchaus für eine effektivere und effizientere Arbeitssituation führen.

In meinen Seminaren präferiere ich das Du. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass der Austausch unter den Teilnehmern einfacher und kollegialer vonstattengeht. Mit geringerer Distanz steigen Effektivität und Lernerfolg. Natürlich frage ich am Anfang jedes Seminars, ob jemand lieber gesiezt werden möchte. Das kommt aber äußerst selten vor.

Bei meinen Coachings überlasse ich die Entscheidung den Gecoachten. Die weit überwiegende Mehrheit wählt das Du. Dadruch wird die Lernatmosphäre unverkrampfter. Die Angst „dumme“ Fragen zu stellen sinkt. Da es im Lernprozess keine dummen Fragen geben kann, ist das sehr hilfreich.

In sozialen Netzwerken bleibe ich meist neutral. Bei der Beantwortung von Kommentaren duze ich aber gerne, wenn es angebracht ist. Wenn ich einen Beitrag für einen speziellen Teil meiner Zielgruppe (Personas) verfasse, wähle ich die Ansprache, die besten passt. Selbst dann, wenn ich auf der jeweiligen Plattform ansonsten eine andere Anrede nutze.

Höfliche Distanz oder vertraute Nähe?

Das ist die wichtigste Frage, die ich mir vor der Wahl der Anrede stelle. Bei der Beantwortung geht es ausschließlich darum, was besser für mein Gegenüber ist. Das gilt für persönliche wie für virtuelle Begegnungen.

Letztlich richtet sich die Ansprache also immer danach, wen wir in welchem Kontext so ansprechen, dass sich diejenigen wohlfühlen und sich gerne mit unserer Botschaft beschäftigen.

Fragen beantworte ich gerne

Das ist ein komplexes Thema, bei dem es mehr Grauzonen als Schwarz oder Weis gibt. Konkrete Fragen sind immer willkommen. Am besten über die Kommentarfunktion. So können alle davon profitieren. Ich beantworte aber auch solche, die mich über das Kontaktformular erreichen.

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